schreiben...

Frau auf Schaukel geniesst den Sonnenuntergang

 

 

... ist wie Fenster aufreißen in einem stickigen Raum!

 

Ich liebe es, mich so intensiv wie eine Schauspielerin in meine Figuren hinein zu versetzen, mit ihnen zu lachen und zu weinen, zu lieben und zu streiten. Und das ohne auf einer Bühne herumhüpfen zu müssen.

 


schreiben...

Darüber kursieren immer noch mächtige Klischeevorstellungen:

 

Ich stehe frühmorgens auf, trinke einen Löwenzahn-/ Gras-Smoothie, mache ein paar Yogaübungen, dann setze ich mich an meinen Schreibtisch, fokussiere mich auf mein Wurzelchakra - und schon geht‘s los:

 

Ich brauche nur ein leeres Blatt zu sehen, schon fliegen mir die Worte aus dem Nichts zu, meine Fantasie kennt keine Grenzen! Die Sätze formen sich fehlerlos von allein und sind von einer Ausdruckskraft und Präzision, dass mir vor Begeisterung die Tränen kommen.

 

Nach vier Stunden durchgängigem Tippen mache ich eine Pause, um dann frisch und ausgeruht bis in den frühen Abend weiterzuschreiben. Nichts und niemand unterbricht mich, ich bin voller Energie und beständig im kreativen Flow. Jede Geschichte habe ich selbstverständlich vorher komplett durchgeplant, schreibe sie von vorne nach hinten in gleichbleibendem Tempo fertig. Am Ende reicht ein einmaliges Durchsehen, denn ein Manuskript von 450 Seiten ist nach wenigen Wochen fertig und bereits druckreif formuliert.


So entsteht ein Bestseller nach dem anderen…

:) Schön wär’s!

Lies den Text noch einmal und denke dir bei jedem Satz genau das Gegenteil.
Dann bekommst du eine grobe Vorstellung von der Realität.

 

Viele denken wirklich, so ein Buch schreibt sich praktisch von allein. Und es ist ja eigentlich mehr so Freizeitvergnügen.

Nein.

Einen ganzen Roman zu schreiben kann verdammt harte Arbeit sein:

Recherchieren, planen, verwerfen, neu anfangen, umstellen, überarbeiten, löschen, neu anfangen, überarbeiten …

Eine schöne Sucht kann es werden:

Wenn man nicht schreibt, denkt man drüber nach, wenn man schläft, träumt man davon. Man beginnt, in der Geschichte zu leben. Und dann läuft's.

 


 

Für jede Person gibt es ein ausführliches Dossier mit Fotos,  Lebensgeschichte, Charaktereigenschaften, Macken, Beziehungsdiagrammen etc. Denn erst,. wenn man seine Figuren ganz genau kennt, weiß man, wie sie reden könnten, was sie denken könnten, in welche Richtung sie sich entwickeln. (Und man muss ein bisschen in sie verliebt sein ... ;)

 


Beim Schreiben lernt man schreiben - und noch viel mehr

 

Die Reise vom Anfang eines Manuskripts bis zum fertigen Buch ist eine wundervolle, verrückte und auch schmerzhafte Odyssee, bei der man über die Kunst des Schreibens - und vor allem über sich selbst - unendlich viel lernen kann.

Denn wenn das Manuskript nach den ersten privaten Testleserunden und der -zigsten Überarbeitung dann mit Glück einen Verlag gefunden hat, heißt das ja noch lange nicht, dass es damit getan ist.

 

Erste Lernlektion: GEDULD

Der Text liegt nach Vertragsabschluss im Durchschnitt etwa ein Jahr beim Verlag in der Warteschleife, bis er an der Reihe ist. Dort wird er dann nochmal durch mehrere Wasch- und Schleudergänge gejagt, bis er schließlich als Buch gesetzt und gedruckt wird.

 

Zweite Lektion: LOSLASSEN

Sorgfältig wird korrigiert und lektoriert, was auf beiden Seiten starke Nerven und gute Argumente erfordert. Schließlich hat man sein ganzes Herzblut in jeden Satz fließen lassen. Erst recht, wenn man uuunendlich viel kürzen muss, geht das selten ohne Tränen und Wutausbrüche ab. Lektoren sind da zum Glück hart im Nehmen ...

Faszinierend, welche Schneisen so ein erfahrener Profi in meinen Buchstabenwald, den ich vor lauter Bäumen nicht mehr durchschauen konnte, freigeschnitten hat! Für das Endprodukt bin ich heute sehr dankbar.

 

Dritte Lektion: Delegieren - und akzeptieren, was man nicht ändern kann.

Was kaum ein Leser weiß (ich vorher ebenfalls nicht):

Das Cover, den Vorschautext und den Klappentext gestaltet in der Regel der Verlag, nicht der Autor.

 

Vierte und schönste Lektion:

Andere Menschen einfach nur durch Worte zu berühren, ist wunderbare Magie!

Also schreib ich einfach weiter ...